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Liese Brancao: 1000 Tage Wölfin!

Am Dienstag, den 12. Juli 2016 begann beim SKN eine neue Zeitrechnung! Spielertrainerin Fanni Vágó und Sportliche Leiterin Liese Brancao leiteten ihre erste gemeinsame Trainingseinheit bei den Wölfinnen. In den vergangenen tausend Tagen ist viel passiert, gab es zahlreiche Höhen und Tiefen. Wir baten die Brasilianerin zum Interview und blickten mit ihr auf zweieinhalb Jahre im Wolfsrudel des SKN St. Pölten zurück.

Hallo Li, erstmal Gratulation zum „Tausender“! Drehen wir zu Beginn jedoch die Zeit um drei Jahre zurück, zu deinen Anfängen bei den Wölfinnen. Wie kam der Kontakt zum SKN zustande und ab wann wusstest du, dass du ab der Saison 2016/17 für den SKN tätig sein wirst?
Vielen Dank! Kannte Präsident Wilfried Schmaus schon seit meiner Neulengbach-Zeit. Wir haben uns dann zweimal getroffen und ich hatte ein derart gutes Gefühl, dass ich beim zweiten Treffen bereits zugesagt habe – das war im April 2016. Die Herausforderung war damals sehr groß und ich wusste, dass ich aus meiner Komfortzone raus musste, bereue die Entscheidung allerdings bis heute nicht!

Wie wurdest du in St. Pölten empfangen? Einige Spielerinnen kanntest du ja bereits aus gemeinsamen Zeiten beim SV Neulengbach.
Der Vorstand und die Funktionäre haben mich gut empfangen. Auch bei den Spielerinnen hatte ich das Glück, dass ich Leute gefunden habe, die bereit waren, bei neuen Ideen zuzuhören und daran zu arbeiten, sie in die Praxis umzusetzen. Für mich ist dieser Faktor sehr wichtig.

Dein erstes Spiel war sogleich ein Test gegen den FC Bayern München. Bei brütender Hitze und toller Kulisse in Spillern setzte es eine 0:5-Abfuhr gegen die Elf von Thomas Wörle. Deine Erinnerungen an diese Partie?
Ich wusste, dass wir nicht in der Lage sein würden mit den Münchnerinnen mitzuhalten, da wir nach zwei Trainingseinheiten noch ganz am Anfang unserer Entwicklung standen. Trotzdem war es eine großartige Erfahrung, einen Prozess gegen eine so bekannte Mannschaft wie den FC Bayern zu starten. Es war auch wichtig zu sehen, wo wir uns auf internationaler Ebene befunden haben!

In deine SKN-Ära fallen bis zum heutigen Tag 66 Pflichtspiele, welches war dein persönliches Höhepunkt? An welche Duelle oder Momente erinnerst du dich nicht so gerne zurück?
Ganz klar: Der 28.04.2017 – das Spiel gegen Neulengbach in Neulengbach! War vielleicht für mich nicht der einzige Höhepunkt, aber war der Erste und daher ganz speziell! Es war auch der erste Titel für das neue Betreuerteam!
Klar hatten wir auch schlechte Zeiten, aber keine Niederlage ist für mich so schlimm wie die erhebliche Verletzungen meiner Spielerinnen! Jedes Mal, wenn ein Spielerin verletzungsbedingt nicht das tun kann, was sie am meisten liebt, leide ich mit und lasse meine Spielerinnen verstehen, dass wir noch härter arbeiten müssen, um den Verlust eines Teils der Mannschaft auszugleichen!

Gibt es sonst weitere spezielle Augenblicke für dich aus tausend Tagen SKN?
Wenn ich ehrlich bin, konnte ich jeden dieser 1000 Tage genießen! Sogar jene Tage, an denen es nicht so lief wie gewünscht, ließen mich lernen und mich mit ihnen wachsen. Ich arbeite mit Spielerinnen auf Top-Level und es wäre sehr schade, wenn ich nicht 100% dieser 1000 Tage nutzen würde!

Während deiner Amtszeit war Jasmin Eder als Kapitänin tätig, was zeichnet die ÖFB-Teamspielerin aus?
Jassi ist nicht nur unsere Kapitänin, weil sie von mir ausgewählt wurde, sondern auch weil ihre Mitspielerinnen sie ausgewählt haben. Der Kapitän ist eine Verbindung zwischen dem Trainer und seinen Spielern, aber Jassi ist viel mehr als das! Die Arbeit, die sie für unser Team macht, ist einfach fantastisch. Ihre Bedeutung am Feld ist äußerst wichtig. Sie ist ein hervorragendes Vorbild für die neue Spielergeneration, sei es bei uns, oder im Nationalteam.

Das Team ist von außen betrachtet eine Einheit und auch sehr bodenständig, ist das das große Erfolgsgeheimnis des Vereins?
Wir haben einige Dinge, die uns von anderen Teams unterscheiden, aber dies ist sicherlich eine unserer Stärken! Ich mache meinen Spielern immer klar, dass sich im Fußball die Dinge sehr schnell ändern können und was heute genug war, um ein Spiel zu gewinnen, wird morgen nicht mehr gut genug sein. Wir wissen, dass wir großartige Qualitäten haben, aber wir wissen auch, dass wir nicht unschlagbar sind. Wir kämpfen hart um jeden Punkt und wir arbeiten nicht daran, besser als andere zu sein: Wir arbeiten daran, besser zu sein als gestern!

Fans und Beobachter werten SKN-Siege oft aufgrund fehlender Konkurrenz ab. Ärgern es dich, wenn du Aussagen hörst wie „das wird wieder ein Durchmarsch“ oder „wenn ich keine Konkurrenz habe, kann ich leicht gewinnen“? Vor allem, da ihr im Training jeden Tag hart arbeitet, um diese Qualität aufrecht zu erhalten.
Es ärgert mich sehr! Es ist total gegen die Arbeit meiner Spielerinnen und auch gegen meine Arbeit! Wenn es wirklich so einfach wäre, wie die Leute denken, müssten wir nicht trainieren. Es wäre nicht notwendig, das Spielsystem regelmäßig zu ändern, es wäre nicht notwendig, ein System während eines Spiels zu ändern. Es wäre nicht notwendig, meine Spielerinnen an das Limit aller Trainingseinheiten zu bringen. Genau aus diesem Grund war es sehr schwierig, meinen Spielerinnen zu vermitteln, dass sie sich nach jedem Sieg zufrieden fühlen müssen. Wir haben viel gehört, dass wir eigentlich 8:0 gewinnen hätten müssen, wenn wir „nur“2:0 gewonnen haben und, dass unsere Leistung nicht gut war. Der Fußball hat sich stark entwickelt, dass ein Team den technischen und physischen Unterschied durch taktische Positionierung ausgleichen kann.

Eines der großen Ziele des SKN ist der Einzug ins Achtelfinale der UEFA Women´s Champions League. Warum klappte diese Vorhaben bislang noch nicht?
Meiner Meinung gab es verschiedenen Gründe, warum wir haben es noch nicht geschafft haben. Eine der Gründe war in den letzten beiden Jahren das Pech bei den Auslosungen. Wir sind noch weit davon entfernt, uns mit den großen Teams Europas zu vergleichen. Wir arbeiten allerdings hart daran, diesen Unterschied der Ebenen zu verringern, der in verschiedenen Aspekten besteht: Physisch, taktisch, technisch und vor allem mental. Wir wissen, dass der Weg sehr lang ist und, dass am Ende wirklich kleine Details entscheiden. Es wäre großartig, wenn wir in Österreich eine etwas stärkere Liga hätten, und ich meine damit nicht, dass die anderen Teams schlecht sind! Ich sage, dass es Projekte geben sollte, bei denen die besten österreichischen Spielerinnen nicht zwingend das Land verlassen müssen, um auf hohem Niveau Fußball zu spielen.

Sturm Graz und Austria Wien/USC Landhaus brachten das Team in den letzten Jahren mehrmals an ihre Grenzen. Bist du vor solchen Spielen eigentlich besonders nervös?
Nicht nur Austria und Sturm brachten uns ans Limit, sondern auch einige andere Teams. Wir haben sehr schwierige Spiele, in denen wir gegen Mannschaften spielen, die gut verteidigen. Natürlich sind Spiele gegen Mannschaften, die in der Tabelle nah an uns dran liegen, immer etwas ganz Besonderes. Es sind ganz einfach Spiele, auf die wir uns das ganze Jahr freuen. Nervosität gehört zum Fußball dazu. Wichtig ist, dass man weiß, wie man sie kontrolliert. Ich denke, dass meine Spielerinnen und ich mit solchen Situationen gut umgehen können.

Der SKN St. Pölten ist eine große Familie, wie ist der Kontakt zum Betreuerteam der Herren? Tauscht ihr euch öfter aus?
Die Zusammenarbeit mit den Herren des SKN ist äußerst positiv! Wir haben das Glück, dass der Fitnesstrainer der Männer auch für unser Team arbeitet. Andi ist einer der Verantwortlichen dafür, dass sich unser Team auf jener physischen Ebene befindet, auf der es gerade ist. Er hat die ganze Vorbereitungsphase (Physisch) geplant und ist ein- bis zweimal pro Woche bei uns. Er arbeitete bislang wirklich sehr gut und brachte die Spielerinnen auf ein höheres Level. Wir sind sehr froh, ihn bei uns zu haben!

Insgesamt zehn der eingesetzen Spielerinnen vom Bayern-Test in Spillern sind auch heute noch bei den Wölfinnen unter Vertrag. Was ist der große Unterschied der Elf vom Juli 2016 zum heutigen Team?
Sie sind älter 🙂 Sie sind sicherlich auch erfahrener! Und meiner Meinung nach haben sie gelernt, was Teamwork wirklich bedeutet.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, welcher wäre das?
Gesund bleiben, das wäre das Allerwichtigste!

Zum Abschluß: Wo siehst du dich und den SKN St. Pölten in 1000 Tagen (2. Januar 2022)?
Puh! Bis 2022 bleibt viel Zeit, da kann vieles passieren! Ich sehe den SKN auch weiterhin um alle Meisterschaften kämpfen, die bis dahin gespielt sind! Wenn ich es auf meine persönliche Vorschau beziehe, weiß es wirklich nicht, es ist unmöglich vorherzusagen! Ich möchte einfach weiterhin glücklich mit meiner Arbeit nachgehen und wer weiß. Mutter zu sein wäre auch noch ein großer Wunsch von mir, aber ich das alles auf mich zukommen!

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